Halt den Mund, wenn sich Erwachsene unterhalten!

Saskia John Inneres Kind heilen

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Halt den Mund, wenn sich Erwachsene unterhalten! Als Kind habe ich sehr oft diesen Satz gehört. (Zum Video anschauen bitte nach unten scrollen)

Wie habe ich als 3-, 6- oder 10-jährige darauf reagiert? Und was hat mir geholfen, den Glaubenssatz „Ich bin sicher, wenn ich meinen Mund halte und meine Kreativität und Spontanität unterdrücke!“ zu transformieren? Es gibt ganz sicher noch viele weitere Ursachen, warum es manchen Menschen so schwer fällt, hervorzutreten, eine eigene Meinung zu haben und diese souverän vor anderen Menschen zu vertreten. 

Nach solch einer harten Aufforderung wurde ich sofort still und habe mich innerlich zurückgezogen, davon ausgehend, dass die Aufforderung seitens der Erwachsenen mir gegenüber richtig ist. Die Erwachsenen müssen es ja wissen! Ich fühlte mich ausgeschlossen, an die Seite gestellt, nicht zugehörig, wütend, ängstlich und nicht verstanden mit meinen spontanen Impulsen, meiner kindlichen Neugier und meinen Wünschen. Geliebt habe ich mich in solchen Momenten nicht gefühlt.

Ich versteckte mich im hintersten Winkel meines inneren Schneckenhauses, um dem emotionalen Schmerz zu entkommen. Ich schämte mich, glaubte, ich hätte etwas falsch gemacht, wenn ich meine Impulse einbrachte. Ich suchte die Schuld bei mir. Später, als ich älter und „verständiger“ war, saß ich brav und still in Gesprächen daneben, hatte kaum noch Impulse, mitzureden. Ich hatte mich schlichtweg abgeschaltet, hörte einfach nur noch zu. Und das fühlte sich so gut an! Warum? Weil ich nichts zu befürchten hatte, wenn ich den Mund hielt. Zumindest hatte sich dieser (unbewusste) Glaubenssatz „Ich bin sicher, wenn ich meinen Mund halte und meine Kreativität und Spontanität unterdrücke!“ in mir eingenistet und im Laufe der Jahre verfestigt.

Mein Bedürfnis nach einer liebevollen Antwort, nach einem auf mich und meine Fragen eingehen, blieb oft unerfüllt. Das war mir damals alles nicht bewusst. Es war „normal“, zumindest in meinem Umfeld in der DDR, ich kannte es nicht anders.

Halt den Mund, wenn sich Erwachsene unterhalten! Saskia John, Teltow, Berlin, Potsdam, Leipzig, Dresden

Welche Folgen hatte das für mich?

Als Erwachsene drehte sich das Spiel um. Die Leute waren plötzlich interessiert an mir, an meiner Meinung! Wurde ich nach meinem Standpunkt gefragt, kam ich ins Schwitzen. Ich stellte fest, dass ich zu vielen Themen keinen eigenen Standpunkt hatte. Wieso? Ich hatte es als Kind nicht gelernt, mir im gesunden Austausch mit Erwachsenen eine eigene Meinung zu bilden und meinen Standpunkt zu vertreten, hinter dem ich wirklich stand und der von meinem nahen Umfeld geschätzt und geachtet wurde. Stattdessen konnte ich wunderbar mit mir allein sein und schweigen. Als Erwachsene lebte ich dieses Muster unbewusst weiter. Immer wieder war ich irritiert und fragte mich, wieso es mir so schwerfiel, eine Meinung zu haben und diese vor anderen Menschen zu äußern. Warum mein Hals manchmal wie zugeschnürt war, wenn ich etwas ansprechen wollte, was nicht im Einklang mit mir war. Warum ich als junge Erwachsene knallrot wurde, wenn ich etwas ansprach und sich alle Aufmerksamkeit plötzlich auf mich richtete. Warum ich mich schämte für meine Wahrheit. Warum ich Angst hatte, auszusprechen, was mir im Herzen wichtig und heilig war. Die Angst schränkte in manchen Situationen auch meine Handlungsfähigkeit als Erwachsene ein.

Wie bin ich die Transformation angegangen?

In der therapeutisch-spirituellen Arbeit mit dem Inneren Kind habe ich mir diese innere Dynamik fühlbar bewusst gemacht. Für mich hat sich folgendes als hilfreich bei der Wandlung des Glaubenssatzes erwiesen:

  • Ich beteiligte mich bewusst an Gesprächen, sprach offen über meine Scham und die Angst, rot anzulaufen und dafür Kommentare zu bekommen, die meine Scham noch verstärkten.
  • Ich führte viele innere Dialoge mit meinem Inneren Kind, in welchen es mit der Zeit fühlend verstehen und erkennen konnte und kann, dass es bei mir sicher ist und es heute ausdrücklich erwünscht ist, die eigene Wahrheit, Kreativität und Spontanität auszudrücken.
  • Ich bildete mir eine Meinung und lernte, diese in unzähligen Klärungsgesprächen mit meinem (inneren) Vater, meiner (inneren) Mutter zu vertreten.
  • Ich löste verinnerlichte Botschaften der DDR-Gesellschaft auf.
  • Ich suchte und fand Menschen, die sich ähnlich wie ich mit sich selbst und ihren verinnerlichten Mustern im heilsamen Sinne auseinandersetzten und daher verstanden, wovon ich sprach.

    Das alles zusammen baute meine alte Angst zunehmend ab. Vor großen Gruppen zu sprechen ist jedoch in manchen Momenten auch heute noch eine Herausforderung für mich.

    Ich hoffe, dass ich mit dem Video einige Tipps und Anregungen geben konnte.

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