Entstehung und Auflösung von Zweifeln

Saskia John Innere Dynamiken

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Zweifel können Entscheidungen richtig schwer machen. Immer wieder zweifeln die Menschen. An sich, an anderen, am Guten in der Welt. Und an Gott. Sie zweifeln bei wichtigen Lebensentscheidungen und ob der Weg, den sie gehen wollen, und das, was sie in sich fühlen und wissen, auch wirklich stimmt.

Wie entstehen diese Zweifel, die so tief und blockierend sein können, dass als stimmig Erkanntes im eigenen Leben dennoch nicht in die Handlung umgesetzt werden kann?

Kein Zweifel. Ein Baby schaut voller Vertrauen auf seinen Vater.

Zweifel

Um die Entstehung von Zweifeln zu verstehen, schaue ich auf den Anfang eines menschlichen Lebens, wo es noch keinerlei Zweifel gab. Babys und Kleinkinder haben ein tiefes Urvertrauen und gehen zunächst einmal vorbehaltlos davon aus, dass das, was die Eltern sagen und tun, stimmt und richtig ist, einfach „weil sie groß sind und es ja wissen müssen“. Sie hinterfragen nicht, was ihnen über die Sprache und nonverbal über die Körpersprache und das Energiefeld vermittelt und gelehrt wird.

Sie nehmen alles, was von außen kommt, zum Beispiel die Gedanken und Wahrheiten der Eltern, über die Sinne in sich auf und reagieren ihrerseits mit Gefühlen und Körperempfindungen darauf, die wiederum im Gehirn mit dem Gehörten und Gesehenen gekoppelt werden. Später, wenn die Sprache hinzukommt und eigenes Denken und Erkennen beginnt, werden auch die kindlichen Schlussfolgerungen bezüglich der erlebten Situation im Gehirn verschaltet.

Diese Verkabelung im Gehirn zwischen der Innen- und der Außenwelt geschieht vollkommen unbewusst, in jedem Moment.

Zweifel entstehen beispielsweise, wenn

  • Erwachsene Kindern etwas erzählen, was nicht der Wahrheit entspricht,
  • Doppelbotschaften vermittelt oder
  • unangemessene Erwartungen, Forderungen und Perfektionsansprüche Kindern gegenüber gestellt werden.

Ein einfaches Beispiel dazu ist das Thema „Ordnung im Kinderzimmer“, das oft zu jahrelangen Spannungen zwischen Eltern und Kind führt. Normalerweise fühlt sich ein kleines Kind wohl in seinem eigenen Raum und spielt einfach. Es macht sich keine Gedanken darüber, ob es über das Spielzeug hinwegsteigen muss, um ans andere Ende des Zimmers zu gelangen. Das Kind steigt einfach drüber oder schiebt die Dinge zur Seite. Es ist in seiner Mitte und mit sich, seinem Umfeld und der eigenen Ordnung völlig im Einklang. Ohne jeden Zweifel darüber.

Kommt nun einer der Eltern herein und drückt laut und vorwurfsvoll seinen Ärger über diesen „Saustall“ aus, ist es mit der inneren Ruhe und dem Frieden im Kind vorbei. Es fühlt in dem Moment keine liebevolle Zuwendung und sein Sicherheitsgefühl geht verloren. Die Reaktion der Eltern löst im Kind Angst, Schuld und Scham aus. Das Energiefeld des Kindes kontrahiert, es wird innerlich eng. Das vegetative Nervensystem fährt hoch und der Körper verspannt, was den natürlichen Energiefluss blockiert. Dieser Gefühls-Alarmzustand führt aus der inneren Mitte heraus und ist für ein kleines Kind kaum zu ertragen. Um sich vor der emotionalen Überforderung zu schützen, zieht es sich in sein inneres Schneckenhaus zurück.

Manchmal verlassen die frustrierten Eltern nach der „Ansage“ das Kinderzimmer sofort wieder und das Kind bleibt mit der elterlichen Mecker-Energiewolke und seiner Gefühlswelt allein im Raum zurück. Anstelle des entspannten Ursprungs- und Verbundenheitsgefühls, das da war, bevor die Eltern hereinkamen, schwingen jetzt im Kind die Angst, Schuld und Scham nach, die sich genauso wahrhaftig anfühlen, wie zuvor die Ruhe und der Frieden, als es sich noch in seiner inneren Mitte befand.

In solchen Alltagsmomenten werden die Samen der Zweifel gesät. Denn im Moment der Schimpfe gibt es in der Gefühlswelt des Kindes plötzlich zwei Wahrheiten, die nicht zusammenpassen: die eigene Wahrheit („Für mich ist das Zimmer in Ordnung.“) mit dem ruhigen, friedlichen Ursprungsgefühl, und die aufgenommene Wahrheit der Eltern („Saustall!“), die zu Angst, Schuld und Scham führt.

Da sich ein kleines Kind in den Angst-, Schuld- und Schamgefühlen zugleich auch bedroht fühlt, gibt es der Botschaft der Eltern mehr Bedeutung als der eigenen Wahrheit, die vor den viel intensiveren Zweitgefühlen von Angst, Schuld und Scham leise in den Hintergrund rückt und nicht mehr wahrnehmbar oder hörbar ist.

Um das Gefühl der Liebe und Gunst der Eltern wieder zu bekommen und sich die gefühlt existenziell lebensnotwendige Zugehörigkeit zu sichern, wird das Kind den Eltern gerecht werden wollen und versuchen, das Zimmer aufzuräumen. Es passt sich an und folgt der Botschaft der Eltern, um die verlorene Harmonie und sein Sicherheitsgefühl wieder herzustellen. Das alles geschieht im Bruchteil einer Sekunde und ist dem Kind nicht bewusst.

Je öfter sich solche Situationen wiederholen und je stärker die durch das Verhalten der Eltern im Kind ausgelösten emotionalen Reaktionen sind, umso intensiver ist die Verschaltung im Gehirn und umso stärker bildet das Kind das angepasste Verhaltensmuster aus. Das kann so weit gehen, dass die Wahrheit der Eltern zur eigenen geglaubten Wahrheit über die Ordnung im Kinderzimmer wird, die dann später auf die gleiche Weise an die nächste Generation weitergegeben wird.

Wann immer es also wieder um das Thema Ordnung geht, tauchen im Kind und auch später als Erwachsener immer beide Gefühlswahrheiten auf. Da die beiden Wahrheiten jedoch nicht miteinander kongruent sind, entsteht durch die gefühlte Diskrepanz der Zweifel – vor allem dann, wenn die übernommene Botschaft der Eltern nicht von der eigenen gefühlten Ursprungswahrheit (innere Stimme) unterschieden werden kann. Das kann sich bei einem Erwachsenen z. B. darin zeigen, dass er sich in seinem tiefsten Inneren am liebsten ausruhen und einfach mal nichts tun möchte, er sich dies aber nicht erlaubt, weil die kindliche Angst vor dem erwarteten Ärger in ihm nagt und ihn sich angespannt fühlen und wieder anpassen lässt. Im Extremfall kann das zu einem Putz- und Aufräumzwang werden, um dem vermuteten Ärger aus dem Weg zu gehen. Das heißt jedoch nichts anderes, als sich wieder im Einklang mit den verinnerlichten Botschaften der Eltern und sich dadurch sicher und zugehörig fühlen zu können. Das verletzte Kind im Erwachsenen handelt, und nicht der Erwachsene aus seiner inneren Mitte heraus.

Wie kannst du die inneren Zweifel auflösen?

  1. Das eigene Ursprungsgefühl gilt es (wieder) zu fühlen.
  2. Die Stimme im Kopf („Saustall!“) kann auf Sinnhaftigkeit und Wohlbefinden hinterfragt werden: Führen diese Gedanken zu innerem Frieden, Leichtigkeit, Gleichgewicht, offenem Herzen und entspanntem Bauch?
  3. Den eigenen Standpunkt zum Thema „Ordnung“ einnehmen und diesen vor den inneren und äußeren Eltern und anderen Erwachsenen gegenüber zu vertreten, zur eigenen Wahrheit zu stehen und Verantwortung für das eigene Handeln zu tragen.
  4. Das führt dazu, dass die in der Kindheit gehörte und als Wahrheit von den Eltern übernommene Botschaft an Kraft verliert, sodass die eigene Ursprungswahrheit im Gefühl wieder in den Vordergrund rücken kann. Im Ergebnis dessen stellen sich die innere Ruhe, der Frieden und das Gleichgewicht wieder ein, das in der Kindheit da war, bevor die Eltern hereinkamen.

Es gibt dazu noch mehr zu sagen, denn das Thema ist viel komplexer, als ich es in diesem kurzen Beitrag darstellen kann. Ich hoffe jedoch, dass meine sehr vereinfacht dargestellten Ausführungen hilfreich sind und zu mehr Klarheit über eigene Zweifel führen.

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