Dunkelretreat Schulung der feinstofflichen Sinne

Saskia John Dunkelretreat Leave a Comment

Ein Dunkelretreat kommt einer inneren Schulung gleich. Was wird geschult? Die feinstofflichen Sinne wie Hellfühlen, Hellsehen, Hellhören, Hellriechen oder Hellschmecken. Zudem können verschiedene Stufen von Achtsamkeit und Wachheit erfahren werden.

Dunkelretreat und Achtsamkeit

Wie ist der Begriff Achtsamkeit in diesem Video zu verstehen? Achtsamkeit bedeutet, dass ich eine Bewusstheit in die Abläufe einbringe, dass ich eine Wahrnehmung habe über das, was ist, was gerade abläuft – z. B. dass ich gerade laufe, wie ich sitze, dass ich überhaupt gerade sitze, mit wem ich gerade spreche und mir darüber achtsam bewusst bin, dass ich das gerade tue. Ansonsten ist das ja oft so, dass ich laufe und in Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt bin und irgendwie auf einmal ankomme und im Extremfall nicht mal weiß, wie ich von A nach B gekommen bin, weil ich so mit meinen Gedanken woanders war. Das verstehe ich unter Achtsamkeit, dass ich bewusst und präsent bin und mitkriege, was gerade geschieht und was ich gerade tue. Im Normalfall, im Alltagsbewusstsein ist es ja so, dass unsere Aufmerksamkeit nach außen gerichtet ist auf das Umfeld, was wir sehen oder das, was vor uns gerade stattfindet.  D. h., unser ganzes System ist innerlich mit dem sogenannten Außen beschäftigt. Und automatisch wird das, was wir sehen, mit Begriffen deklariert: Ich sehe jetzt einen Sessel vor mir oder eine Person – die wird sofort  mit dem Namen benannt. Sofort springt zu dem, was wir sehen, die ganze Begrifflichkeit, unser Denken, an. Und das Denken wiederum lässt Gefühle in uns aufsteigen, weil wir bestimmte Dinge auch mit Erfahrungen, mit Gefühlen assoziieren. D. h., alles, was wir sehen, zieht unsere ganze Aufmerksamkeit in das Denken, in das Fühlen und macht was mit unserem Körper. Und es zieht uns wie aus uns heraus und es kommt – man könnte sagen, als ein Bild – zu einer Art Parallelwelt, in der das dann stattfindet, und ich kriege dann gleichzeitig aber gar nicht mehr mit, was findet denn hier drin statt. Ich habe das in meinem 1. Dunkelretreat erfahren. Da war das so: mein komplettes Denken war zur Ruhe gekommen, das war eine absolute Stille. Dann gab es draußen irgendein lautes Geräusch. In dem Moment schnellte mein Verstand wie ein Hund aus der Hundehütte raus, knabberte an dem Geräusch herum und machte aus dem Geräusch einen Eimer, der gerade umgefallen ist. Ich wusste nicht, ob es ein Eimer ist. Es klang einfach so und der Verstand griff auf alte Begrifflichkeiten, die er mit diesem Geräusch assoziierte, sofort zurück. Das Geräusch ist wie so ein Knochen, auf dem der Verstand herumknabberte und daraus was gebastelt hat. Das ist total spannend, das zu beobachten, aber das findet andauernd statt. Den ganzen Tag, non-Stopp; sobald wir die Augen aufmachen, findet dieser Prozess statt. Dieses Sehen zieht uns also nach außen. Und wenn das Sehen im Dunkelretreat wegfällt, dann kehrt sich die Aufmerksamkeit um – und damit auch die damit verbundene Achtsamkeit – und ich kann mehr mitkriegen, was in mir geschieht und was in mir alles abläuft, wie z. B. die Gedanken mit den Gefühlen zusammenwirken, wie Gedanken Gefühle auslösen und die Gefühle wiederum die Gedanken hervorbringen und wie beides, Gedanken und Gefühle, sich im Körper auswirken und zusammenspielen und auch zusammengehören. Das heißt, im Dunkelretreat, durch die Achtsamkeit und die Aufmerksamkeit, die auf das Innere gelenkt ist, wird dieses Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele – diese Dreiteilung, die der Mensch ja ist – erfahrbar.

Dunkelretreat Schulung der feinstofflichen Sinne

Dunkelretreat Schulung der feinstofflichen Sinne

Wenn das Sehen wegfällt, dann geht das relativ schnell im Dunkeln, dass die anderen zunächst mal physischen Sinne das wegfallende Sehen kompensieren wollen. Das heißt, ich habe richtig spüren können, wie meine Ohren wie aufgingen und es fühlte sich an, als hätte ich riesige Ohren, die einfach alles hören wollen. Oder meine Hände fühlten sich ganz groß an, die alles tasten wollten. Und mein ganzes Energiefeld hat sich auf Hören und Mitkriegen ausgerichtet, um das, was wegfällt, das Sehen, zu kompensieren, damit ich immer noch alles mitkriege. Das ist, als würde sich das Sehen, worüber wir vieles kontrollieren und steuern wollen, auf die anderen Sinne umlagern. Aber mit zunehmender Zeit des Tiefergehens fällt das alles weg. Man könnte sagen, der Körper ist wie so ein Handschuh, der über den feinstofflichen Sinnen darüber liegt. Und wenn ich durch diese Stofflichkeit hindurch tauche, dann ist das so, als ob ich den Körper ausziehe, der Körper fällt weg und … bildlich gesprochen ist es so: im Tages-Alltagsbewusstsein bin ich wie ein Gärtner, der mit Handschuhen durch die Gegend läuft und mit Handschuhen den Garten bearbeitet. Und mit der Zeit bin ich ein Gärtner, der ohne Handschuhe herumläuft und dadurch alles viel feiner wahrnehmen kann. Also der Körper ist wie so ein Handschuh. Und je mehr ich in die Tiefe tauche, ist das bildlich gesprochen so, als ob ich durch die Körperschichten durchtauche und dann mehr in den feinstofflichen Bereichen ankomme und damit auch in den feinstofflichen Sinnen. Und das fühlt sich um ein Vielfaches intensiver alles an. Das Sehen ist leuchtender, das Fühlen ist intensiver, das Hören ist wie ein Klarhören, in dem man ein Haar fallen hören kann. Mit meinen physischen Ohren kann ich kein Haar fallen hören. Aber mit den feinstofflichen Ohren geht das. Da muss ich aber erst durch diese ganzen psychologischen Prozesse durch, um in diese feinstofflichen Räume, die einfach eine andere Wachheit, eine andere Aufmerksamkeit haben, hineinzukommen. Das ist ganz spannend. Was ich jetzt mit den Ohren beschrieben habe, geht auch mit dem Fühlen. Spätestens, wenn ich mich mal irgendwann gestoßen habe, dann hat jede Beule, die ich mir zugezogen habe, meine Achtsamkeit erhöht. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber von der Logik her macht mir das Sinn. Ich habe mich ja nur gestoßen, weil ich eben nicht achtsam war, weil ich die Wand nicht mitgekriegt habe. Und die Beule, die auch ziemlich weh tat, weil man läuft ja dann wie schlafwandelnd gegen die Tür oder den Pfosten, führte zu einem inneren Aufwachen. Als würde plötzlich ein Vorhang wegfallen und ich dann viel wacher sein, als ich davor noch war. Und davor habe ich aber gar nicht mitbekommen, dass ich nicht wach war. Durch die Beule kam es wie zu einem „Klick“ und auf einmal war ich wacher. Meine Erfahrung ist, dass die Aufmerksamkeit nicht einfach nur eine Aufmerksamkeit ist, sondern die hat auch verschiedene Graduierungen oder verschiedene Stufen. Von wach über wacher  über noch wacher über viel intensiver wacher in hochgradige Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit. Wo wirklich alles, wie eine Rundum-Leuchte, wahrnehmbar ist, in diesem Aufmerksamkeitsfeld wahrgenommen werden kann. Und das geschieht stufenweise. Das ist ein Prozess, in den man mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Dunkeln immer tiefer hineinkommt und gleichzeitig immer wacher wird; wo sich das Gesichts- oder Sehfeld – nicht über die Augen, sondern man könnte sagen, das 3. Auge – immer mehr öffnet und immer mehr Dinge wahrgenommen, gesehen, gefühlt werden können, ohne dass ich die Tür gehe, ohne dass ich etwas berühre, ohne dass ich die physischen Sinne bemühe – es werden dabei die feinstofflichen Sinne geschult. Die nehmen das alles wahr und das würde ich verstehen unter Schulung der Achtsamkeit, dass die feinstofflichen Sinne durch die verstärkte Nutzung wie eine Schulung erhalten. Das bleibt zum Teil nach dem Dunkelretreat auch erhalten und ein Teil verliert sich wieder. Aber etwas bleibt erhalten, das setzt sich im System um, sodass das auch, wenn ich wieder im Alltagsbewusstsein bin, eine Qualität ist, die mir zur Verfügung stehen kann – wie eine Fähigkeit, könnte man dazu sagen oder eine Qualität, die ich vielleicht vorher noch nicht (bewusst) hatte. Das finde ich sehr spannend und fand es wert, darüber ein Video zu machen. 

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