Achtsamkeitstraining im Dunkelretreat

Saskia John Dunkelretreat

Achtsamkeitstraining im Dunkelretreat? Ja, ein Dunkelretreat kommt einer inneren Schulung gleich.

Was wird geschult?

Die feinstofflichen Sinne wie Hellfühlen, Hellsehen, Hellhören, Hellriechen oder Hellschmecken. Darüber hinaus Achtsamkeit und Gewahrsein.

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Ein Dunkelretreat ist ein Achtsamkeitstraining

Was bedeutet Achtsamkeitstraining im Dunkelretreat? Zunächst möchte ich auf den Begriff Achtsamkeit eingehen und definieren, was ich darunter verstehe.

Achtsamkeit im Dunkelretreat bedeutet, dass ich Bewusstheit in Abläufe einbringe und eine Wahrnehmung habe über das, was ist. Was gerade abläuft, zum Beispiel, dass ich

  • gerade gehe und in welcher Körperhaltung ich gehe,
  • sitze, wie ich sitze und dass ich überhaupt sitze,
  • denke und was ich denke,
  • fühle und zugleich meiner Umgebung gewahr bin.

Im Dunkelretreat steigt die Achtsamkeit für den gegenwärtigen Moment um ein Vielfaches. Meditation kann diesen natürlichen Vorgang unterstützen, ist aber keine Voraussetzung dafür.

Manchmal bin ich in Gedanken mit anderen Dingen beschäftigt. Dann achte ich weder auf den Weg, noch auf die Umgebung. Auf einmal bin ich am Ziel und weiß im Extremfall nicht mal, wie ich von A nach B gekommen bin.

Unter Achtsamkeit verstehe ich, präsent zu sein. Mitzubekommen, was wirklich geschieht und was ich gerade tue. Mir meiner

  • Gedanken,
  • Gefühle,
  • Körperempfindungen und meiner
  • Umgebung

bewusst zu sein.

Alltagsbewusstsein: Unsere Sinne sind mit dem Außen beschäftigt

Im Alltagsbewusstsein ist die Aufmerksamkeit nach außen gerichtet: Auf das, was wir sehen und was vor uns, nah oder fern, stattfindet. All unsere Sinne sind mit dem Außen beschäftigt.

Automatisch wird das, was wir sehen, mit Begriffen deklariert: Ich sehe jetzt einen Sessel vor mir oder eine Person. Alles wird sofort mit dem Namen benannt - unser Denken springt an.

Das Denken wiederum lässt Gefühle in uns aufsteigen, wenn wir das, was wir sehen, mit vergangenen Erfahrungen assoziieren. D. h., alles, was wir sehen, zieht unsere ganze Aufmerksamkeit in das Denken, in das Fühlen und macht was mit unserem Körper. Und es zieht uns wie aus uns heraus und es kommt - man könnte sagen, als ein Bild - zu einer Art Parallelwelt, in der das dann stattfindet, und ich kriege dann gleichzeitig aber gar nicht mehr mit, was findet denn hier drin statt. Ich habe das in meinem 1. Dunkelretreat erfahren. Da war das so: mein komplettes Denken war zur Ruhe gekommen, das war eine absolute Stille. Dann gab es draußen irgendein lautes Geräusch. In dem Moment schnellte mein Verstand wie ein Hund aus der Hundehütte raus, knabberte an dem Geräusch herum und machte aus dem Geräusch einen Eimer, der gerade umgefallen ist. Ich wusste nicht, ob es ein Eimer ist. Es klang einfach so und der Verstand griff auf alte Begrifflichkeiten, die er mit diesem Geräusch assoziierte, sofort zurück. Das Geräusch ist wie so ein Knochen, auf dem der Verstand herumknabberte und daraus was gebastelt hat. Das ist total spannend, das zu beobachten, aber das findet andauernd statt. Den ganzen Tag, non-Stopp; sobald wir die Augen aufmachen, findet dieser Prozess statt. Dieses Sehen zieht uns also nach außen. Und wenn das Sehen im Dunkelretreat wegfällt, dann kehrt sich die Aufmerksamkeit um - und damit auch die damit verbundene Achtsamkeit - und ich kann mehr mitkriegen, was in mir geschieht und was in mir alles abläuft, wie z. B. die Gedanken mit den Gefühlen zusammenwirken, wie Gedanken Gefühle auslösen und die Gefühle wiederum die Gedanken hervorbringen und wie beides, Gedanken und Gefühle, sich im Körper auswirken und zusammenspielen und auch zusammengehören. Das heißt, im Dunkelretreat, durch die Achtsamkeit und die Aufmerksamkeit, die auf das Innere gelenkt ist, wird dieses Zusammenspiel zwischen Körper, Geist und Seele - diese Dreiteilung, die der Mensch ja ist - erfahrbar.

Blüte, Achtsamkeitstraining im Dunkelretreat, Saskia John

Mit Achtsamkeitstraining im Dunkelretreat deine Sinne schulen

Wenn das Sehen wegfällt, springen die anderen physischen Sinne ein und kompensieren den fehlenden Seh-Sinn. Ich fühlte, wie meine Ohren sich öffneten und allmählich denen von Elefanten glichen.

Auch meine Hände vergrößerten sich und wollten alles ertasten. Mein gesamtes Energiefeld richtete sich auf Hören und Fühlen aus. Es schien mir, als würde sich das Sehen auf die anderen Sinne umlagern.

Mit zunehmender Zeit des Tiefergehens erschien mir der Körper wie ein Handschuh, der die feinstofflichen Sinnen bedeckt. Wenn ich durch diese Stofflichkeit hindurch tauche, dann ist das so, als ob ich den Körper ausziehe. Der Körper fällt weg.

Bildlich gesprochen:Im Tages-Alltagsbewusstsein bin ich wie ein Gärtner, der mit Handschuhen den Garten bearbeitet. Mit der Zeit bin ich ein Gärtner, der ohne Handschuhe herumläuft und dadurch alles viel feiner wahrnehmen kann. Also der Körper wirkt wie ein Handschuh: abdeckend oder bedeckend. Und je mehr ich in die Tiefe tauche, ist das bildlich gesprochen so, als ob ich durch die Körperschichten durchtauche und dann mehr in den feinstofflichen Bereichen ankomme und damit auch in den feinstofflichen Sinnen. Und das fühlt sich um ein Vielfaches intensiver alles an. Das Sehen ist leuchtender, das Fühlen ist intensiver, das Hören ist wie ein Klarhören, in dem man ein Haar fallen hören kann. Mit meinen physischen Ohren kann ich kein Haar fallen hören. Aber mit den feinstofflichen Ohren geht das. Da muss ich aber erst durch diese ganzen psychologischen Prozesse durch, um in diese feinstofflichen Räume, die einfach eine andere Wachheit, eine andere Aufmerksamkeit haben, hineinzukommen. Das ist ganz spannend. Was ich jetzt mit den Ohren beschrieben habe, geht auch mit dem Fühlen. Spätestens, wenn ich mich mal irgendwann gestoßen habe, dann hat jede Beule, die ich mir zugezogen habe, meine Achtsamkeit erhöht. Das klingt jetzt vielleicht komisch, aber von der Logik her macht mir das Sinn. Ich habe mich ja nur gestoßen, weil ich eben nicht achtsam war, weil ich die Wand nicht mitgekriegt habe. Und die Beule, die auch ziemlich weh tat, weil man läuft ja dann wie schlafwandelnd gegen die Tür oder den Pfosten, führte zu einem inneren Aufwachen. Als würde plötzlich ein Vorhang wegfallen und ich dann viel wacher sein, als ich davor noch war. Und davor habe ich aber gar nicht mitbekommen, dass ich nicht wach war. Durch die Beule kam es wie zu einem "Klick" und auf einmal war ich wacher. Meine Erfahrung ist, dass die Aufmerksamkeit nicht einfach nur eine Aufmerksamkeit ist, sondern die hat auch verschiedene Graduierungen oder verschiedene Stufen. Von wach über wacher  über noch wacher über viel intensiver wacher in hochgradige Aufmerksamkeit oder Achtsamkeit. Wo wirklich alles, wie eine Rundum-Leuchte, wahrnehmbar ist, in diesem Aufmerksamkeitsfeld wahrgenommen werden kann. Und das geschieht stufenweise. Das ist ein Prozess, in den man mit zunehmender Aufenthaltsdauer im Dunkeln immer tiefer hineinkommt und gleichzeitig immer wacher wird; wo sich das Gesichts- oder Sehfeld - nicht über die Augen, sondern man könnte sagen, das 3. Auge - immer mehr öffnet und immer mehr Dinge wahrgenommen, gesehen, gefühlt werden können, ohne dass ich die Tür gehe, ohne dass ich etwas berühre, ohne dass ich die physischen Sinne bemühe - es werden dabei die feinstofflichen Sinne geschult. Die nehmen das alles wahr und das würde ich verstehen unter Schulung der Achtsamkeit, dass die feinstofflichen Sinne durch die verstärkte Nutzung wie eine Schulung erhalten. Das bleibt zum Teil nach dem Dunkelretreat auch erhalten und ein Teil verliert sich wieder. Aber etwas bleibt erhalten, das setzt sich im System um, sodass das auch, wenn ich wieder im Alltagsbewusstsein bin, eine Qualität ist, die mir zur Verfügung stehen kann - wie eine Fähigkeit, könnte man dazu sagen oder eine Qualität, die ich vielleicht vorher noch nicht (bewusst) hatte. Das finde ich sehr spannend und fand es wert, darüber ein Video zu machen.

Weitere hilfreiche Blogartikel oder Videos:

Grundlagen eines Dunkelretreats
Fasten im Dunkelretreat
Mein neues Buch: Im Dunkelretreat. 26 Tage Dunkelheit

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